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Diagnose Therapie Informationen aus der Industrie

Urologie

Genitalanomalien und -erkrankungen (Knaben): Diagnose

(siehe auch Genitalanomalien und -erkrankungen [Mädchen])

Im Folgenden sind nur häufige pädiatrische Krankheitsbilder berücksichtigt

Orchitis, Epididymitis, Hodentorsion

siehe dort

Hodentumoren

siehe dort

Balanitis

Definition

Entzündung der Glans penis, meist vergesellschaftet mit Entzündung des Präputiums (Balanoposthitis).

Ätiologie
  • Toxisch-irritativ
  • Bakteriell (Streptokokken, E. coli, Pyozyaneus etc.)
  • Mykotisch (vor allem Candida)
  • Mangelnde Hygiene
Pathogenese

Auslösung bzw. Begünstigung durch Phimose, Sekretstau, mechanische Reizung, Mikroläsionen, Windeldermatitis, Diabetes (Candidabalanitis). Urinretention im Präputialsack führt zu sekundärer Infektion.

Symptome
  • Dysurische Beschwerden, Brennen, Jucken
  • Rötung und Schwellung von Glans penis und Präputium
  • Bei bakteriellen Infektionen oft eitriges Sekret
Komplikationen

Urethritis, Zystitis, entzündliche Phimose

Phimose

Definition

Verengung der Vorhaut.

Einteilung und Ätiologie
  • Schichtbildung zwischen Epithelblättern des Präputiums und Glans erst mit Ende 3. Woche abgeschlossen
  • Angeborene (physiologische) Phimose: Verengung oder schlauchförmige Verlängerung des Präputiums, oft verbunden mit epithelialen Verklebungen zwischen innerem Vorhautblatt und Glans penis
  • Iatrogen: narbige Verengung nach unsachgemäßen Behandlungsversuchen einer physiologischen Phimose (Dilatation, gewaltsames Zurückstreifen)
  • Chronisch-entzündlich: narbige Verengung und Verdickung des Präputiums nach Balanitiden

Symptome
  • Vorhaut nicht zurückstreifbar, evtl. schlauchartiges Präputium
  • Bei narbigen Veränderungen Verdickung, meist auch Rötung des Präputiums

Komplikationen
  • Behinderung der Harnentleerung (schwacher Urinstrahl, Aufblähung des Präputialsackes während der Miktion)
  • Rezidivierende Balanitiden (Urethritiden, Zystitiden)
  • Paraphimose (Strangulation der Glans durch zurückgestreifte, nicht reponierbare Vorhaut)

Hydrocele testis et funiculi spermatici
(Wasserbruch)

Definition

Seröser Erguss zwischen parietalem und viszeralem Blatt der Tunica vaginalis testis und/oder Tunica spermatica.

Häufigkeit

groß, vor allem bei Neugeborenen

Ätiologie
  • Angeboren, idiopathisch
  • Erworben nach Trauma, Entzündungen (Orchitis, Epididymitis), bei Hoden- und Nebenhodentumoren
Symptome
  • Prall-elastische, schmerzlose, meist nicht reponierbare Schwellung
  • Bei Diaphanoskopie durchscheinender Aspekt des Ergusses, Hoden in normaler Größe abgrenzbar
  • Bei Hydrocele communicans (offene Verbindung zum Bauchraum) Schwellung langsam ausdrückbar, wechselnde Ergussmenge
Diagnostik

Diaphanoskopie, evtl. Hodensonographie bei nicht eindeutiger klinischer Symptomatik

Differentialdiagnose
  • Leistenhernie (kann kombiniert sein mit Hydrocele testis)
  • Hodentumoren (Begleiterguß möglich, siehe Kapitel Hodentumoren)
  • Orchitis, Epididymitis (siehe dort)

Hypospadie

Definition

Unvollständiger Schluss der Harnröhre während der Fetalentwicklung mit der Folge einer ventral-ektopen Urethramündung

Einteilung

Hypospadia glandis, H. penis, H. scrotalis, H. perinealis, H. ani fakultativ mit Meatushernie

Symptome
  • H. glandis und H. penis: ventrale Spaltung des Präputiums, häufig Peniskrümmung nach ventral; Harnröhrenöffnung manchmal stenosiert, Harnstrahl nach unten gerichtet
  • H. scrotalis und perinealis: kleiner, meist ventralwärts gekrümmter Penis, gespaltenes Skrotum, häufig Kryptorchismus; kann als Pseudohermaphroditismus masculinus imponieren

Diagnostik
  • Bei unklarem Geschlecht (Pseudohermaphroditismus): Chromosomenanalyse, Hormonuntersuchungen, abdominelle Sonographie, evtl. Urethrogenitographie
  • Bei enger Harnröhrenmündung: Blasen- und Nierensonographie, bei pathologischem Befund Kontrastmitteluntersuchungen

Differentialdiagnose
  • Intersexuelles Genitale bei Hermaphroditismus verus
  • Pseudohermaphroditismus masculinus (z. B. bei Agonadismus, inkompletter testikulärer Feminisierung, Testosteron-Biosynthese-Defekten etc.)
  • Pseudohermaphroditismus femininus (z. B. bei adrenogenitalem Syndrom)

Cave: Kombinierte Fehlbildungen. Bds. Hodenhochstand mit Hypospadie: Abklärung!

Komplikationen

Bei verengter Urethramündung Harnrückstau mit entsprechenden Folgen (Hydroureter, Hydronephrose)

genitalanomalien knaben 1

Hodenhochstand
(Kryptorchismus, Retentio testis)

Definition

Störung des Descensus testis mit Fehllage der Hoden ohne Möglichkeit einer spannungslosen Verlagerung in das Skrotum

Einteilung
  • Physiologischer Hodenhochstand (noch unvollendeter Descensus bei 3–4 % der reifen neugeborenen, 20 % der frühgeborenen Knaben)
  • Hodenektopie (Lage der Hoden außerhalb der physiologischen Descensus-Wege); meist präfaszial unter der Bauchhaut, selten perineal, femoral oder gekreuzt
  • Retentio testis im engeren Sinne (Lage der Hoden innerhalb der Descensus-Strecke)
    • Retentio abdominalis (Bauchhoden), Kryptorchismus im engeren Sinne
    • Retentio inguinalis und praescrotalis
    • Gleithoden (Hoden liegt vor äußerem Leistenring, läßt sich unter Spannung in das Skrotum verlagern)


Ätiologie

  • Anatomische Hindernisse
  • Hormonelle Störungen
Symptome
  • Skrotum "leer", meist hypoplastisch und nicht gefältelt
  • Hoden unter der Bauchdecke (präfasziale Ektopie), im Leistenkanal (Retentio inguinalis und praescrotalis, Gleithoden) oder überhaupt nicht tastbar (Retentio abdominalis); selten ektope Hoden perineal oder femoral palpabel
genitalanomalien knaben 2Diagnostik
  • Sorgfältige palpatorische Suche nach den Hoden, ggf. Repositionsversuch mit leichtem Druck auf die innere Fossa iliaca in Richtung Peniswurzel; Untersuchung im Schneidersitz oder im Stehen, möglichst in Wärme und entspannter Atmosphäre
  • Repositionsmöglichkeit bei Retentio inguinalis und praescrotalis sowie (definitionsgemäß) bei Gleithoden
  • Falls ein Hoden nicht palpabel ist: Versuch einer sonographischen Lokalisation (selten erfolgreich), bei Misserfolg operative Suche, MRT; FSH/Testosteron/LH-Spiegel
  • Falls beide Hoden nicht palpabel sind: HCG-Test zum Ausschluss einer Anorchie
Differentialdiagnose
  • Anorchie, Monorchie
  • Pendelhoden (zeitweilige Retraktion des normal deszendierten Hodens in den Leistenkanal durch Kremasterkontraktion), nicht operationsbedürftig!
Komplikationen
  • Bei beidseitigem Hodenhochstand Sterilität durch Hypo- oder Azoospermie, ohne operative Korrektur bereits ab 2. (!) LJ. zu erwarten; auch einseitiger Kryptorchismus kann Fertilität beeinträchtigen!
  • Maligne Entartung des Hodengewebes (2–10 % der Fälle) (insbesondere bei ektopen Hoden)
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Letztes Update:4 März, 2009 - 15:09